LABOR – History of Ideas and Political Economy (Seminar)

Man works to live. – Karl Marx (1818 – 1883)

Man lives to work. – John Calvin (1509 – 1564)

Labor is both a central category in modern thought, and in economics. This course tracks critical formulations, describes the elementary economics of who is earning what, for what work, and questions the human cooperating condition. The class offers a schizodisciplinary synthesis of history of ideas, political economy and social anthropology.

A seminar with Jonas Marx at Deutsche SchülerAkademie 2011-4 in Urspring, Germany.

Full description in german below.


“Was man ist”, ist, was man arbeitet. Der Kurs verfolgt die Geschichte eines Begriffs, analysiert wer, wofür, warum, wieviel verdient, und befragt die Bedingung des zusammenarbeitenden Menschen. Er schafft eine schizodisziplinäre Synthese aus Ideengeschichte, politischer Ökonomie und sozialer Anthropologie und fragt die Teilnehmenden, was das alles mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun hat.

Kursbeschreibung

W = Fs – Sir Isaac Newton (1643 - 1727)

Für die Physik ist es einfach: Arbeit ist das Produkt aus Kraft und Wegstrecke, äquivalent die Energie. Für Menschen hieße dies: Jede Aktivität ist Arbeit. Es wäre Arbeit, ein Unternehmen zu führen oder einen Haushalt, an einer Kasse zu sitzen oder an einem Konzertflügel.

Für Menschen sind diese Aktivitäten aber nicht äquivalent. Für die Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Frage nach der Arbeit deshalb schwierig.

Lernen sich zwei Menschen kennen, ist eine der ersten gegenseitigen Fragen “Was machst Du?” - und damit ist gemeint “Was arbeitest du?”. Was Menschen über Arbeit denken, wie sie Arbeit verteilen und entlohnen, und wie sie zusammen arbeiten sind folgenschwer für ihre, und die Lebenschancen anderer. “Was man ist”, ist, was man arbeitet.

“Der Mensch arbeitet, um zu leben.” – Karl Marx (1818 – 1883)

“Der Mensch lebt, um zu arbeiten.” – John Calvin (1509 – 1564)

In diesem Kurs wollen wir “Arbeit” aus Blickrichtung von zwei Disziplinen untersuchen:

Die Ideengeschichte fragt nach dem Verständnis von Arbeit in verschiedenen Epochen. So galt Arbeit in der Antike als niedere Tätigkeit und die Freiheit des freien Bürgers der attischen Polis zeichnete sich gerade dadurch aus, dass er frei davon war, arbeiten zu müssen. Im 19. Jahrhundert hingegen ist es gerade die Arbeitsleistung, auf der das Bürgertum seinen Stolz begründet.

Die politische Ökonomie analysiert, wie verschiedene Modi von Produktion und Verteilung Arbeit organisieren. Wie viel und was sollten wir arbeiten, und wer und zu welchem Preis? In komplexen Gesellschaften regeln ökonomische Abstraktionen unsere Antworten auf diese Fragen. Diese Abstraktionen gilt es zu verstehen, will man zwischen verschiedenen Produktions- und Verteilungsmodi wählen.

Texte und Theorien aus diesen beiden Disziplinen sollen im Kurs zu einem synthetischen Verständnis von Arbeit verwoben werden anhand von zwei Leitfragen: Was genau ist Arbeit? Ein notwendiges Übel zur materiellen Befriedigung, beglückende Verwirklichung unserer Selbst oder uns angeborener und anerzogener Dienst am Nächsten? Und, zum zweiten, wie formt Arbeit unsere Gesellschaft? Wird durch Arbeitsteilung auch die Gesellschaft geteilt oder kann Arbeit ein Modus gleichberechtigter Kooperation sein? Dabei wollen wir auch Erkenntnisse aus der sozialen Anthropologie hinzuziehen, die soziale Interaktion und Kooperation zwischen Menschen untersucht.

“Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht.” – Hannah Arendt (1906 – 1975)

Das Anliegen des Kurses ist eine grundlegende und theoretische Bearbeitung des Themas. Je nach Verlauf und Interesse können wir zum Ende des Kurses darüber hinaus das erarbeitete Wissen auf aktuelle Politikvorschläge anwenden, wie etwa Arbeitsmarkt- und Steuerreform oder ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Teilnahmevorraussetzungen

Teilnehmen kann jede/r, die/der sich für das Thema interessiert. Teilnehmende sollten bereit sein, (zum Teil englische) Fachtexte zu erarbeiten, sich mit philosophischer Theorie und ökonomischen Modellen zu befassen und Energie mitbringen für kontroverse, aber stets theoriegeleitete – nicht tagespolitische – Diskussion. Die Teilnehmenden erhalten einen Reader mit relevanten Texten und bereiten vor der Akademie ein Referat vor.